Juergen Ladrick


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Meine Seele

Meine Seele sie weint so sehr
ertrinkt in diesem tiefen Meer

Sinkt hinab ins schwarze Dunkel
Meine Stimme klingt weit her
Einsam, kalt und ohne Funke

Drückt mein Herz und schmerzt viel mehr
blutet schwarz den giftgen Teer

Mein Spiegelbild mit feuchte Augen
Lies meine Lust am Leben rauben

Mein letzter Pfad er ist nicht lang,
der letzte Akt und was ist dann

Schreite ich zur letzten Ruh
schliesse einfach meine Augen zu

Es kreisen schnell die duestren Raben
wie sie sich gierig
an meinem Körper laben

Nun, da habe ich wenigstens einen Sinn
und gebe mich den Fressern hin
Sep 2015

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Gedanken zu einem Umzug

Gedanken zu meinem Umzug

Nun ist es wieder soweit. Ich werde am 27. Februar 2010 mit Sack und Pack, unterstützend von Freunden, in meine neue Wohnung ziehen.
Aber ich merke, es fällt mir schwer. Dabei dachte ich immer, Veränderungen tun gut.
Mein Kopf sagt loslassen, aber mein Herz fühlt das Gegenteil.
Ich meine, es ist nur eine Wohnung, nicht einmal die Schönste. Aber irgendetwas lässt mich trauern. Und stärker als ich dachte.
Vielleicht sind es die Erinnerungen! Erinnerungen an die Zweisamkeit, die vormals hier herrschte. Mir kommt es vor, als wenn unser Lachen immer noch durch die Zimmer hallt.
Zusammen mit ihr war es ein schöner Ort, an dem ich mich wohl und geborgen fühlte.
Nun…wieder allein wandele ich jetzt auf meinem Pfad. Wo auch immer mich dieser hinführt.
Ich versuche in die Zukunft zu schauen, aber vergessen werde ich und möchte ich auch nie.
Ein Umzug ist immer ein neuer Abschnitt in einem Leben. Neue Geschichten,  Erinnerungen und Weggefährten.
Jedoch sagt man auch, “Zweimal umgezogen, ist wie abgebrannt”. Naja…schon irgendwie!
Vielleicht sollte ich mich mal vom Leben treiben lassen. Es heisst zwar, „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“.
Doch von Zeit zu Zeit ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, sich treiben zu lassen. Auch mal nur, um Energie zu tanken.
15.02.2010

Posted by Juergen Ladrick on

Mein Baum

ich sitze unter meinem Baum
atme tief den Duft des Lebens
vergessen ist die Hektik
vergessen ist der Trieb
meine Seele fühlt die Ruhe

ich sitze unter meinem Baum
und fühle tief in mir
abgeschlossen von der Welt
vergessen sind die Lügen
vergessen ist der Hass
meine Seele fühlt den Frieden

ich sitze unter meinem Baum
schließe meine Augen
und höre die Sinfonien des Windes
vergessen sind die Intrigen
vergessen ist das Gerede
meine Seele, die ist frei

ich sitze unter meinem Baum
es pocht das Herz, mein Bauch der fliegt
vergessen ist die Trauer
vergessen ist der Schmerz
Liebe ist das, was meine Seele spürt

11.02.2010

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Der letzte Moment

Er öffnete seine Augen. Er konnte nichts sehen, alles um ihn herum war dunkel. Er versuchte die letzten Erinnerungen zusammenzukramen. Das Einzige, an das er sich erinnern konnte, waren helle Scheinwerfer. Ansonsten keinerlei Erinnerungen. Was er vorher getan, vorher gedacht oder gesagt hatte. Alles war ausgelöscht, nur gähnende Leere.

Erst jetzt bemerkte er, dass es so dunkel war, wie das schwärzeste Schwarz. Kein Lichtschein, kein Mond oder Sterne funkelten. Noch nie hatte er so eine Schwärze gesehen, geschweige denn gefühlt. Als wenn dies nicht schon merkwürdig genug gewesen wäre, so hörte er auch keinerlei Geräusche. Kein Rauschen des Windes, kein Summen der Insekten oder ein einziger Klang der Welt.

Nichts, nicht einmal irgendetwas riechen konnte er. Träumte er, wo war er, wie kam er hier her und was sollte er hier?

Er tastet um sich herum und fühlte den Boden auf dem er saß. Zu seiner Überraschung war der Boden angenehm warm. Er versuchte sich aufzurichten. Schwankend, erst das linke, dann das rechte Bein. Einen Fuß vor den anderen setzend, tastete er sich vorwärts. Nachdem er sich so einige Meter fortbewegt hatte, blieb er plötzlich stehen. Er holte tief Luft und schrie „Hallo, kann mich irgend jemand hören“ Die Worte verstummten genauso schnell, wie er sie gesagt wurden. Er lauschte in die Dunkelheit. Keine Antwort, nicht ein Ton. Er ging vorwärts, Meter für Meter. Kein Widerstand am Boden, kein Steinchen oder Stöckchen war zu fühlen. Plötzlich hatte sein rechter Fuß keinen Boden mehr. Ehe er sich versah und irgendetwas dagegen tun konnte, fiel er. Sich um seine eigene Achse drehend, im freien Fall, stürzte er dem Nichts entgegen. Er versuchte mit seinen Armen rudernd, seine Lage zu kontrollieren. Er hörte seinen Herzschlag, Komischerweise fühlte er keine Panik, nur unendliche Ruhe. War das jetzt der Augenblick, …der eine? Sollten dies die letzten Sekunden seines Lebens sein?“

Wenn ja, wo waren die Bilder, der Film, der an einem vorbei zog. Wie es so viele erzählten, die den Nahtod erfahren hatten. Nichts. Er sah nichts! Kein einziges Bild, kein Funken Erinnerung seines früheren Lebens. Er fiel, dachte an nichts, als an die Wärme und Freiheit. Er hatte keine Angst oder Sorgen. Er war glücklich, glücklicher als je zuvor in seinem Leben.

Ein dumpfes Knacken ertönte kurz und heftig. Der Arzt schaltete das Beatmungsgerät ab. In einer langsamen Bewegung hob sich sein Brustkorb, ein letztes Mal.

Ihr liefen die Tränen über die Wangen. Er lag da, so vollkommen zufrieden. Erst jetzt umhüllte sie die Einsamkeit. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass es keine Zweisamkeit mehr gab. Alles was sie ab jetzt tun würde, würde sie allein und ohne ihn tun. Tiefe Trauer und Hilflosigkeit durchzogen ihren Körper. Sie beugte sich über sein Gesicht, in welches Sie nun ein letztes Mal schauen würde. Dieses Gesicht, welches sie so oft zum Lachen brachte.

Sie küsste Ihn, so intensiv, so zärtlich wie sie es nie zuvor tat. „Ich werde dich immer lieben“ sagte sie, stand auf und ging.

13.01.07